[Rezension] Anna O.

[Rezension] Anna O.

28. Juni 2024 0 Von Grey

Am Ende bleibt die Frage: Was passiert in der Zeit in der wir schlafen, von dem wir nichts wissen?

Details:
Anna O.
Matthew Blake
Fischer Verlag
4,99 € E-Book / 18,00 € Paperback / 16,99 € Mp3-CD / auch bei Audible
21. Juni 2024
480 Seiten
3 Sterne


Seit vier Jahren hat Anna Ogilvy ihre Augen nicht mehr geöffnet. Nicht seit jener Nacht auf der Farm, wo man sie im Tiefschlaf gefunden hat, ein Küchenmesser in der Hand, die Kleidung blutverschmiert. Neben den Leichen ihrer beiden besten Freunde. Die einen halten Anna O. für unschuldig, die anderen für eine kaltblütige Mörderin. Aber nichts und niemand hat sie aus ihrem Albtraum wecken können. Bis jetzt.
Dr Benedict Prince ist Psychologe und Experte für Verbrechen, die im Schlaf begangen werden. Bei Nacht und Nebel wird er in die Schlafklinik The Abbey gerufen. Dort hat man die berühmteste Verdächtige des Landes eingeliefert: Anna Ogilvy, 29. Das ganze Land spekuliert: Hat Anna die Tat wirklich begangen? Hat sie dabei geschlafwandelt? Wie steht es dann um ihre Schuld? Und warum ist sie seitdem nicht mehr aufgewacht?
Ben hat eine gewagte Theorie, wie er Anna wecken könnte. Doch Ben wird beobachtet. Vom Justizministerium. Von seiner Ex-Frau, die als Kommissarin damals als Erste am Tatort war. Von Annas Mutter, früher eine einflussreiche Ministerin. Von einer Bloggerin, die Annas geheime Aufzeichnungen besitzt. Und vielleicht auch von dem mysteriösen Patienten X, dem Anna auf der Spur war. Ben bleibt nicht viel Zeit. Und er ahnt nicht, in welcher Gefahr er schwebt.


Durch die verschiedenen Kapitel bekommt man den Eindruck, die Geschichte anders zu erleben. Das Thema des Buchs interessiert mich sehr und ich bin gespannt zu sehen, was alles passiert und ob es Gedankenanstöße auslöst.


Anna ist eine intelligente junge Frau, die wissbegierig die Themen verfolgt die sie interessieren und dadurch nicht merkt das sie dadurch mehr und mehr in einen Strudel gerät, der aus immer mehr fragen besteht. Man lernt sie kennen und doch bleibt der Endruck vage und das sich hinter ihrer Maske, Abgebrühtheit und Kalkül versteckt. Sie ist und bleibt nicht ganz greifbar.
Dr. Benedict, Ben, Prince ist ein Mann der sich schnell in seiner Arbeit verliert und festbeißt, sollte eine Herausforderung auf ihn zukommen. Völlig vereinnahmt, rutschen andere Dinge in den Hintergrund. Er steht gefährlich nah an einem Abgrund der sich vor ihm auftut. Seine Professionalität kam ihm etwas abhanden und dadurch verlor er den Durchblick.


Immer öfter fragt man sich beim Lesen, zu welchem Schluss man selbst kommen würde, ob schuldig oder nicht schuldig. Die Faszination des Themas ist schnell geweckt und man bekommt spannende Einblicke. Nicht nur aus Annas Sicht oder aus Bens, auch man selbst betrachtet das gelesene deutlich. Der Autor wirft einige Fragen auf, dadurch das Schlaf etwas alltägliches ist, kann man das alles sehr gut nachvollziehen. Je weiter die Geschichte voran schritt, desto wirrer wurde sie an manchen Stellen. Alles hängt miteinander zusammen und kann doch einzeln betrachtet werden. Das Ende kam überraschend, hat mir aber einfach zu wenig erklärt, so wie an manch anderen Stellen, andere wider rum wären auch mit etwas weniger Details ausreichend klar gekommen.
Am Ende bleibt die Frage: Was passiert in der Zeit in der wir schlafen, von dem wir nichts wissen? Ob Träume aus denen man hochschreckt, weil sie so realistisch sind oder die vollkommene Schwärze die uns erwartet, was es auch ist, wir wissen nicht was wir tun wenn wir schlafen.