Rezension zu „Nicht weg und nicht da“

Rezension zu „Nicht weg und nicht da“

5. Dezember 2018 0 Von Nicky Mohini

„Nicht weg und nicht da“ ist ein absolut einzigartiges und berührendes Buch, welches man unbedingt lesen sollte.

 

Hier ein paar Daten zum Buch:

Titel: Nicht weg und nicht da
Autor: Anne Freytag
Verlag: Heyne fliegt
Cover: Ann-Kathrin Hahn, Das Illustrat
Preis: eBook 12,99 € / Gebunden 16,00 €
Erscheinungsdatum: 19. März 2018
Anzahl der Seiten: 480

Bewertung: 5 Sterne

 

Rezension

Wenn das Leben einfach weitergeht, obwohl du dich dafür weder gewappnet, noch bereit fühlst. Wenn du das Gefühl hast, als würdest du nicht mehr dazugehören. Wenn alles an dir vorbeizieht und du einfach stehen bleibst. Luise ist völlig durch den Wind und überfordert. Ihr geliebter Bruder ist einfach weg, fort, tot. Den einzigen Ausweg, den sie sieht, ist, sich von ihrem alten Leben zu trennen. Also rasiert sie sich den Kopf und zieht ihre innere Mauer höher, als es gut für sie ist. Als Jacob auf Luise trifft, erkennt er sofort die Faszination ihres Seins. Doch von ihrer Seite kommt gar nichts. Sie möchte lieber auf Abstand bleiben – bis sie eine E-Mail von ihrem verstorbenen Bruder erhält. Luise versteht die Welt nicht mehr und die Trauer scheint sie zu übermannen. Und langsam bröckelt die Mauer, hinter der sie sich versteckt, vor allem Jacob gegenüber. Gemeinsam mit ihm und weiteren E-Mails ihres Bruders versucht Luise, sich wieder ins Leben zu kämpfen.

Das Cover ist in einem dunklen Blau gehalten und zeigt den Sternenhimmel in einer tiefdunklen Nacht. Am unteren Rand stehen Jacob und Luise, Hand in Hand und schauen in den Himmel hinauf. Dort sieht man Kristopher, der wie ein Sternbild aussieht. Es scheint, als würde er die Sterne, die am Firmament stehen als eine Art Kletterwand benutzen, um für sich einen Weg aus dem tristen Leben zu finden. Für mich passt das Cover nicht nur perfekt zum Buch selbst, sondern sagt auch einfach so viel aus, was ich wirklich toll finde.

Luise wird von der Trauer und Einsamkeit übermannt, seit ihr Bruder nicht mehr bei ihr ist. Er war ihr bester Freund, ihr Fels in der Brandung. Nun fühlt sie sich komplett verlassen und scheint sich vor der Welt und dem Leben verstecken zu wollen. Erst als sie auf Jacob trifft, scheint die Fassade ganz langsam zu bröckeln. Luise muss sehr stark sein, um die Trauer um ihren Bruder zu verwinden, Jacob zu vertrauen und auch, um weiterzuleben. Doch in Jacob hat sie einen tollen Begleiter für diesen steinigen Weg gefunden. Die Mails von ihrem Bruder lassen einerseits die Trauer um ihn wieder extrem aufleben, doch sie helfen ihr auch, ihren Weg im Leben zu finden. Luise ist eine wunderbare Protagonistin, die ich von Beginn an super verstanden habe und die ich einfach nur erstaunlich finde.

Jacob wirkt sehr einsam, verschlossen und geheimnisvoll. Er lässt nur sehr selten wirklich jemanden an sich heran. Doch Luise hat direkt ein Gefühl in ihm geweckt, weshalb er sie unbedingt näher kennenlernen möchte. Er ist ein toller Freund und eine große Stütze für Luise, einfach weil er so liebevoll und auch verständnisvoll ist. Von sich selbst jedoch gibt er nicht wirklich viel preis, was ihn einerseits sehr geheimnisvoll macht, andererseits aber auch einen Keil zwischen eine neue und zarte Freundschaft treiben kann. Ich finde Jacob bewundernswert. Er ist ein Freund, den man sich an seiner Seite wünscht, weil er immer da ist, wenn man ihn braucht und man ihm blind vertrauen kann.

Kristopher ist ein Charakter, den wir leider nur aus seinen E-Mails kennenlernen dürfen, doch diese sagen unglaublich viel über ihn aus. Vor allem erkennt man, wie sehr er seine Schwester liebt und wie wichtig sie ihm ist. Außerdem war er sehr wissbegierig und intelligent.

„Nicht weg und nicht da“ ist bewegend, aufwühlend und eine Liebeserklärung an das Leben. Der Schreibstil von Anne Freytag ist absolut fesselnd und einnehmend. Das Buch hat mich direkt überzeugt und in einen Bann genommen, der mich tief mit der Geschichte verbunden hat. Die Protagonisten erscheinen so echt, so real, fast als würden sie direkt vor einem stehen und mit einem sprechen. Dies hat mich dazu gebracht, zu 100% mit ihnen mitfühlen zu können und es hat sich angefühlt, als wäre ich mit ihnen befreundet. Ich habe mit ihnen gelitten, gelacht, geweint und getrauert. Ich kann das Buch komplett und absolut weiterempfehlen und es hat sich seinen Platz in meinen Lese-Highlights redlich verdient.